16.10.2015

Abkehr von der bisherigen Weiträumigkeit der Stadtmitte-Planung durch Verdichtung - Stadtmitte soll 'komplexer' werden

Der Entwurf des Konzeptes des Dortmunder Planungsbüros Post und Welters, wie er in der kommenden Woche erst vom Planungsausschuss und anschließend vom Rat verabschiedet werden soll, stellt die Abkehr vom bisherigen städtebaulichen Leitbild der Marler Stadtmitte dar. War die Grund-Konzeption bisher die Weiträumigkeit in der Anlage der Stadtmitte, setzt das neue Planungskonzept neuerdings auf Verdichtung. So sollen die bestehenden Freiräume im Bereich des ehemaligen Hallenbades, des Waldstückes Försterbusch und die Freiflächen vor dem Gebäudekomplex 'Wohnen Ost' durch Wohnbebauungen verringert werden. Eines der Schlaworte der Neu-Planung ist der Begriff Raumkantenbildung, was bedeutet, dass klare Abgrenzungen in erster Linie durch bauliche Maßnahmen erkennbar werden sollen. Die Erreichbarkeit der Mitte mit dem PKW wird dabei zu einem zentralen Planungsgedanken.

Das 'Handlungskonzept Stadtmitte' ist der zeitlich vorgezogene Teil des "Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes' (ISEK) für die gesamte Stadt, was die Voraussetzung bildet für Anträge zur Bezuschussung von städtebaulichen Maßnahmen durch Land, Bund oder EU. Die Genehmigung des Handlungskonzept für die Stadtmitte ist erstellt worden, um die Sanierung des denkmalgeschützten Rathauses unter dem Titel 'Soziale Stadt' finanzieren zu können. Das Rathaus als Zentrum der Stadtmitte wird in dem Entwurf dargestellt als offener Begegnungsort für eine Vielzahl sozialer Abläufe. Mit dieser Definition findet eine Rückkehr zu der ehemaligen Funktion des Rathauses statt, wie sie von den Architekten der Entstehungszeit der Stadtmitte gewollt wurde. Insofern ist der Neuansatz im Grunde ein alter Hut, den aufzusetzen man nur vergessen hatte.

Ob die vorgeschlagenen Baumaßnahmen und die damit zusammenhängende Verdichtung der Stadtmitte dabei der richtige Weg sind, kann bezweifelt werden. Wenn z.B. nach dem Abriss des Hallenbades eine Wohnbebauung für höhere Ansprüche realisiert werden soll, stellt sich die Frage, ob eine solche Projektion gerade an dieser Stelle nicht die exakt falsche Maßnahme ist, weil sie innerhalb der dort vorhandenen Nutzungen einen Fremdkörper darstellen würde. Eher anbieten würde sich eine mit dem Umfeld harmonierende Nutzungsart, die sich in die vorhandenen Schul-, Bildungs-, Kultur- und Sporteinrichtungen einfügen würde. Vorschläge zur Einrichtung einer hochschulähnlichen Einrichtung stehen im Raum, werden aber aktuell von der Verwaltung und der politischen Mehrheit nicht diskutiert, weil dem Aspekt der Vermarktung und der Investition von Kapital bei der Stadtplanung wohl der Vorrang gegeben wird.

Wenn das Handlungskonzept den Rat passiert haben wird - und es ist davon auszugehen, dass dies auch geschehen wird - könnte in der Stadtmitte genau das geschehen, was bereits südlich der Bahnlinie praktiziert worden ist. Dort ist die von den Planern vorgegebene 'ökologische' Ausrichtung gegenüber der reinen Bautätigkeit absolut zu kurz gekommen. Wenn sich in der neuen Mitte ähnliches ereignen sollte, wird außer der beabsichtigten Bautätigkeit (incl. Rathaussanierung)nichts Wesentliches tun. So gesehen wäre der Titel 'Soziale Stadt' nur der Vorwand, um an öffentliche Zuwendungen zu kommen und gleichzeitig die Voraussetzungen zum Verkauf städtischer Flächen für investive Maßnahmen zu schaffen.