19.05.2015

Alles andere als ein Abhängen im Urlaub: Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen außerhalb Deutschlands am Mittwoch im Fachausschuss 

Im Kinder- und Jugendhilfeausschuss geht es u.a. um die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen im Ausland. Ins Gespräch gekommen war dieses Thema im Zusammenhang mit Vorfällen in der Nachbarstadt Gelsenkirchen, wo Mitarbeiter des städtischen Jugendamtes augenscheinlich eine zusätrzliche private Einnahmequelle endeckt hatten. Die Marler Stadtverwaltung nimmt in der Sitzungsvorlage 2015/0226 Stelung zum Thema. Danach sind 17 Fälle auswärtiger Unterbringung aktuell und zwar in Kirgisistan, Polen, Irland und Bulgarien. - Lesen Sie weiter!

Aus der Sitzungsvorlage Nr. 2015/0226:

Vielfach stellt die Hilfe den letzten Versuch dar, die Jugendlichen aus ihren gefährdenden Milieus herauszuholen. Sie wurde vom Gesetzgeber konzipiert, um geschlossene Unterbringungen in Heimen oder Psychiatrien oder sogar freiheitsentziehende Maßnahmen zu vermeiden. 

Situation in Marl

Zum Stichtag 30.04.15 wurden insgesamt 20 Jugendliche im Rahmen der intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung betreut. Davon waren 17 (6 weiblich, 11 männlich) in Maßnahmen im Ausland untergebracht.

Das Jugendamt Marl arbeitet bei Auslandmaßnahmen gegenwärtig mit 3 Trägern zusammen. Das sind: Open Door GmbH, Individual- und gruppenpädagogische Jugendhilfe (Marl) 14 Fälle -, Life Jugendhilfe GmbH (Bochum) 2 Fälle - und Jugendhilfe Tecklenburg (Tecklenburg) 1 Fall. 

Die Jugendlichen sind in der Regel in sogenannten Projektstellen, also nicht in Heimen, untergebracht. Das sind meist Kleinsysteme wie Familien, Ehepartner oder Einzelpersonen, in denen zumindest eine Bezugsperson auch über Grundkenntnisse in der Sprache Deutsch und häufig auch über eine pädagogische Ausbildung verfügt. Die vom Jugendamt belegten Projektstellen liegen derzeit in Kirgisistan (8 Fälle), Polen (7 Fälle), Irland (1Fall), Bulgarien (1 Fall). Die Projektstellen werden durch Projektkoordinatoren der Träger pädagogisch begleitet. So stellt Open Door z.B. einen Projektkoordinator, der selbst in der Region der kirgisischen Projektstellen lebt und so ca. einmal pro Woche sich konkret in jeder Projektstelle vor Ort aufhält, um den Jugendlichen und seine Bezugspersonen zu beraten und zu unterstützen.

Die schulische Ausbildung wird meist über Einzelbeschulungen, die direkt in der in der Projektstelle erfolgen, oder durch sogenannte Internetschulen gewährleistet. Ziel ist es grundsätzlich, die Jugendlichen auf einen staatlich anerkannten Schulabschluss vorzubereiten und Anschlussmaßnahmen in Deutschland, die die Nachhaltigkeit der Erfolge des Auslandaufenthaltes gewährleisten sollen, mit dem Jugendlichen zu planen und umzusetzen.

Die Verweildauer im Ausland ist, wie bei allen Hilfen zur Erziehung, abhängig von der Erreichung der Ziele, die in der Hilfeplanung festgelegt wurden. In der Regel liegt die Dauer des Auslandsaufenthaltes zwischen 12 und 24 Monaten. Um die Lebensbedingungen der Jugendlichen, die Qualität der Arbeit vor Ort und die Umsetzung der Zielvorgaben gemäß Hilfeplanung zu kontrollieren, werden regelmäßig die Hilfeplanfortschreibungen durch Mitarbeiter des Jugendamtes (ASD) vor Ort durchgeführt. Zur Qualitätssicherung finden kontinuierlich Abstimmungsgespräche zwischen dem ortsansässigen Träger Open Door sowie dem Jugendamt statt.

- Die gesamte Vorlage ist auf der städtischen Homepage (Ratsinformation) einsehbar.