13.05.2015

 

Rudimo AG erhält Zustimmung des Rates für weiteren Grundstückserwerb an der ehem. Waldschule (Foto: Noch ragt der tragende Pfeiler des Jahnstadion in den Himmel) 

Im nichtöffentlichen Sitzungsteil des Rates erhielt die Rudimo AG den Zuschlag für den Erwerb einer weiteren Teilfläche (siehe Berichterstattung in der Marler Zeitung vom 13. Mai 2015). Rudimo verfügt damit über ein ca. 38.000 Quadratmeter großes Areal incl. das Jahnstadion und die ehem. Waldschule. Das Investment-Unternehmen rühmt sich, den schmalen Gehölzstreifen zwischen der Otto-Hue-Straße und dem Jahnstadion mit ca. 100 Bäumen schonen zu wollen. - Lesen Sie weiter!

In einem europaweit ausgeschriebenen Bieterverfahren hatte niemand ein verbindliches Angebot gemacht. Trotz eines nicht prüffähigen und bis dahin unverbindlichen Angebots erhielt die Rudimo AG aus Marl den Zuschlag und einen Optionsvertrag zum Erwerb der ausgeschriebenen städtischen Grundstücksflächen. Die Vertragsgestaltung selbst wurde zum laufenden Geschäft der Verwaltung erklärt mit anschließender Beschlussfassung durch den Rat (Grunstücksgeschäfte der Stadt sind grundsätzlich politisch zu beschließen!). Die von Rudimo nachgereichte weitere Kaufabsicht einer die ehem. Waldschule umgebenden Waldfläche wurde auf die gleiche Weise abgehandelt und mit überwältigender Mehrheit vom Rat abgesegnet.

Wie der lokalen Presse im Laufe der vergangenen Monate, zuletzt am 13. Mai 2015, zu entnehmen ist, plant Rudimo zunächst Wohnungen in und an der ehem. Waldschule, später soll das Gelände des Jahnstadions bebaut werden. Der Arbeitstitel ist "Wohnoase Schloss Jahnschule". Hinter dem hochtrabenden Titel verbirgt sich eine Wohnanlage für betuchte Investoren bzw. Erwerber, die ihre schmucken Häuser und Grundstücke über die Hülsstraße als Erschließungsstraße erreichen (per Tiefgarage). Bei einem derartigen Angebot wäre es geradezu widersinnig, den Waldstreifen an der Otto-Hue-Straße zu beseitigen und den Herrschaften den Blick auf die Durchgangsstraße freizugeben. Der vorgebliche Naturschutz ist also nichts anderes als ein notwendiges Ergebnis der Bauabsichten. 

Aus dieser Notwendigkeit resultiert auch der neuerliche Grunstückserwerb. Durch eine ursprünglich so nicht vorgesehene zusätzliche Bebauung an der ehem. Waldschule und die Erschließung des Gesamtgebietes von der Hülsstraße aus wird zweifelsfrei Waldfläche in Anspruch genommen werden müssen.

In diesem Zusammenhang ist ein Blick zurück in die Planungsgeschichte der Stadt Marl interessant.

Als das Jahnstadion gebaut wurde, geschah das unter Inanspruchnahme eines großen Teiles der Waldfläche zwischen der Otto-Hue- und der Hülsstraße. Der Gehölzstreifen an der Otto-Hue-Straße wurde bewußt geschont, um den Eindruck zu vermitteln, dass es sich bei der Stadionanlage um ein von Wald umgebenes Stadion handelte. Zur Verstärkung dieses Eindrucks wurde sogar in einer Gebäudeabdeckung aus Beton eine Öffnung belassen, durch die eine immer noch zu besichtigende Eiche wachsen konnte. Wie ernst die Planer damals mit dem Grün der Stadt umgingen, kann man erahnen, wenn man weiß, dass gewissermaßen als Wiedergutmachung für den Eingriff in das Waldgebiet das verbleibende Umfeld aufgebessert werden sollte durch Maßnahmen der Attraktivierung der verbleibenden Grünbereiche.

Der aktuell gültige 'Grünordnungplan' der Stadt Marl, der erst vor wenigen Jahren aufgestellt wurde, favorisiert für das Jahnstadion die Renaturierung, um die Funktionalität der Waldfläche wieder herzustellen. Das scheint aber weder für die Verwaltung noch für die große politische Mehrheit von irgendeiner Bedeutung zu sein. Wie bei anderen Flächen auch steht augenscheinlich nur deren Vermarktung zur Disposition. Auffällig dabei ist, dass in jüngster Vergangenheit die Rudimo AG als Großinvestor auftaucht. So geschehen beim Bebauungsplan St. Heinrich (an der Herzlia Allee), wo der Bebauungsplanentwurf trotz einstimmiger Ablehnung durch den städtischen Bauausschuss durch den Rat für rechtswirksam erklärt wurde, nachdem ein internes Gespräch zwischen den beschließenden Fraktionsspitzen und dem Investor kurzfristig anberaumt worden war. Solche Abläufe haben mit einem transparenten Verfahren nichts mehr gemein! 

Bezogen auf das aktuell anstehende Bebauungsplanverfahren wird in öffentlicher Sitzung erst entschieden, wenn intern bereits alles beschlossen ist. Nicht umsonst weist der Chef der Rudimo AG in einem öffentlichen Statement darauf hin, dass der Plan "mit Vertretern der Ratsfraktionen und dem Planungsamt abgestimmt worden sei" (ebenfalls Marler Zeitung vom 13. Mai 2015). Die Fraktion der grünen Wählergemeinschaft war an dieser 'Abstimmung' nicht beteiligt. Der Investor wußte wohl auch warum nicht: wir lehnen die Bebauung insgesamt ab.